Ausbesserungs- und Dampflokwerk Meiningen




© Jörg Nitzsche - Dampflokwerk Meiningen - DB Ausbesserungswerk



Das Traditionsausbesserungswerk Meiningen, gelegen im schönen Länderdreieck Bayern, Hessen und Thüringen, ist das einzige Werk der DB AG, welches sich heute noch unseren geliebten Dampfrössern annimmt.
Und wenn auch mal vom Reichsausbesserungswerk Meiningen die Rede ist, dann stellt man sich eine längst vergangene Epoche vor. Dabei hatte das Werk diesen Titel noch bis zur Wende inne. Denn zu DDR-Zeit hieß die dortige Bahn, vergleichsweise zur Deutschen Bahn, die ganzen Jahre über seit 1945 Deutsche Reichsbahn.


Doch von den Eisenbahnliebhabern liebevoll einfach nur Dampflokwerk genannt, ist es heute das noch einzige existierende Werk Deutschlands, welches Dampflokomotiven ausbessert, und aufgrund dieser Sonderstellung auch Deutsches Dampflokausbesserungswerk heißen könnte.




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Begonnen hat alles 1914 unter der Königlich Preußischen Eisenbahnverwaltung (KPEV) als Hauptwerkstatt. Schon damals beschäftigen sich die Meininger mit der Wartung von Dampflokomotiven und -wagen als ihr Hauptgeschäft, und machen heute eigentlich nichts anderes. Die Fertigkeiten der Dampfkesselschmiede und Monteure haben eine lange Tradition in diesen Werkstätten. Das Dampflokwerk schreibt eigentlich permanent Geschichte. Die Arbeiten, die dort ausgeführt werden, wirken wie eine Art Anachronimus, was ja soviel hieße wie nicht mehr zeitgemäß. Aber das stimmt überhaupt nicht. Unsere geliebten Stahlrösser lassen gar nicht anders mit sich umgehen. Wenn man die Arbeiter beobachtet, fühlt man sich an eine Zeit erinnert, wo noch alle anfallenden Arbeiten mit solider althergebrachter Handarbeit geschahen, und das Wort Automatisierung noch in Science-Fiction-Romanen beschrieben wurde. Also arbeiten wie vor 100Jahren? Wen würde es wundern, haben doch einige der Protagonisten selbst schon ihre 100Jahre auf dem Buckel. Nein, seit über 90 Jahren in Dampflokinstandhaltung und Neubau tätig, doch ihr Aufgabengebiet hat sich ständig erweitert, ein wachsender Kundenstamm stellt sie vor die verschiedensten Aufgaben. Dies erfordert oft neue Lösungen, ein neues Herangehen, egal ob es sich um die Bearbeitung historischer Dampf-, Diesel- oder Elektrolokomotiven oder um Waggons handelt.


Die Meininger können auf einen großen Erfahrungschatz bauen, den sie über lange Zeit gesammelt haben, und sind somit heute in der außergewöhnlichen Position sich Dampflokomotiven jeder Art und jeder Spurweite zu widmen.


Alles ist in den Händen der Arbeiter, und jeder versteht sein Handwerk. Früher hießen sie Fahrzeugschlosser - heute Industriemechaniker. Die Instandhaltung von Dampflokomotiven stellt hohe Anforderungen an die Mitarbeiter, an die Fertigungsverfahren und die technische Ausrüstung. Die Meininger bieten ihren Kunden einen in sich geschlossenen Service für die Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von Baugruppen und Bauteilen für Dampflokomotiven und historische Reisezugwagen, die industriell nicht mehr beschaffbar sind. Wird beabsichtigt, eine Dampflokomotive in einen Heizölbrenner umzuwandeln, die historischen Bestandteile in moderne Standards umzusetzen, oder werden Bestandteile für neue Bahnmodelle benötigt, das Werk wartet mit präzisen CNC- oder TNC-Maschinen für den höchsten Standard auf.


Die alten Tender werden hier auch schon mal zweckentfremdet, denn ein weiterer wichtiger Produktionszweig des Werkes stellt die Fahrzeuginstandsetzung von 49 Schneeräumfahrzeugen für die Deutsche Bahn AG dar. Die Fahrzeuge werden aus ausgedienten Tendern gebaut, zu Schneepflügen umgebaut, die dann für den harten Wintereinsatz in schneereichen Gebieten, wie z.B. den Alpen, ihre Nutzung finden. Zum Bereich Fahrzeuginstandhaltung der Deutschen Bahn AG gehören außerdem 7 Kranzüge.


In den letzten Jahren gewann auch die Aufarbeitung historischer Reisezugwagen der Regel- und Schmalspur eine zunehmende Bedeutung. Insbesondere für die Schmalspurstrecken der Sächsischen Schmalspurbahnen, der Rügenschen Kleinbahn, der Harzer Schmalspurbahnen sowie der Molli Bahn in Bad Doberan werden die historischen Reisezugwagen in Verbindung mit ihren Dampflokomotiven instand gesetzt. Dabei muß man berücksichtigen, dass jede dieser Schmalspurbahnen eine andere Spurweite hat. Harz fährt beispielsweise 1000mm, die Rügener fahren auf 750mm, und der Molli auf 900mm Spurweite.


Ein absolutes Novum ist der komplette Neubau einer Dampflokomotive, nun ja, man könnte es auch als eine kleine Sensation bezeichnen. Kaum zu glauben, aber wahr. Es wird eine nagelneue Molli geben. Der Molli, schon eine gute alte Bekannte, fährt sie doch in schöner Regelmäßigkeit bei uns an der Ostsee zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan hin und her.


Es gibt sie zwar schon 3mal, doch sind sie natürlich nicht mehr die Jüngsten. Und da sie aber auch noch die nächsten 100 Jahre fahren soll, wird es jetzt eine ganz neue Molli geben. Von der mecklenburgischen Landesregierung mit 1,7Mio. EURO gefördert worden, wird sie ab 2009 auf ihrer 900mm-Spur fahren. Ein schönes Gefühl, dass man auf unsere Dampfrösser nicht verzichten kann und möchte.


Alle in Deutschland existieren Dampflokmotiven und andere historische Triebwagen werden irgendwann hier auflaufen um wieder verkehrstauglich gemacht zu werden. Das Eisenbahnbundesamt gibt Fristen vor, nach denen müssen Triebfahrzeuge aller Art, egal welches Wagenmaterial auf einer bundesdeutschen Schiene fährt, nach einem bestimmten Wartungsplan untersucht werden, sich einer sogenannten Revision unterziehen. Materialbelastungsproben werden durchgeführt, Teile wie Kessel eventuell ausgetauscht, und wie beim KfZ-Tüv gibt's dann eine neue Plakette. Beim Kessel z.B. alle 3Jahre, kann max. 2X jeweils für 1Jahr verlängert werden, beim Triebwerk sind es 8Jahre. Wenn das nicht geschehen ist, man also keine Unterschrift bekommen hat, dann dürfen die Fahrzeuge auf dem Netz der Bundesstrecken nicht eingesetzt werden.


Eine kleine Personalstatistik: Vor und nach dem Krieg waren bis zu 2000 Mitarbeiter angestellt gewesen, so dass pro Tag 2-3Loks instand gesetzt werden konnten. 1989 waren es noch 1500 Mitarbeiter. Aktuell sind 80 Arbeiter in der Fertigung, 25 im indirekten Bereich und 12Azubis , also 117 Mitarbeiter.




Eine kleine Geschichtskunde:
Der Spatenstich hierfür erfolgte am 1.Oktober 1910. Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit wird am 2.März 1914 das neue Werk eröffnet und als Betrieb übergeben.
Der erste Bauabschnitt umfasste die jetzige Kesselschmiede, die Zubringerwerkstatt,
die Lokhalle, das Ersatzstücklager, die alte Gießerei, die Wagenhalle, Badeanstalt,
Kantine und das Verwaltungsgebäude bis zum ersten Stock. Die Belegschaft wächst
von 800 Mitarbeitern im Jahr 1914 auf 1600 Beschäftigte bis zum Jahr 1918.
Für das Heben der schweren Schnell- und Güterzuglokomotiven
der Königlich Preußischen Eisenbahndirektion (KED) Erfurt stehen ein 40Tonnen- und ein
60Tonnen-Kran zur Verfügung. Zum Unterhaltungsbestand zählten anfänglich Schnellzug-,
Personenzug-, Güterzug- sowie Zahnradlokomotiven, ab 1925 auch Einheitsloks.
Im Jahr 1920 wird aus den Länderbahnen, wie der
Königlich Preußische Eisenbahn-Verwaltung (K.P.E.V.),
der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen (K.Bay.Sts.B.),
der Großherzoglichen Badische Staatseisenbahn (Bad. Sts. E.B.),
der Königlich Württembergische Staatseisenbahn (K.Würt.Sts.B.)
und der Königlich Sächsische Staatseisenbahnen (K.Sächs.Sts.B.)
die Deutsche Reichsbahn gebildet.
Und die Hauptwerkstatt Meiningen bezeichnet man nun mehr als Eisenbahn-
ausbesserungswerk (EAW), und ab 1924 als Reichsbahnausbesserungswerk (RAW).


Im Zeitraum von 1924 bis 1926 werden die heutige Lokrichthalle mit 80Tonnen-Kränen,
sowie Teile des Anheizhauses und das Gießereigebäude errichtet. Gleichzeitig wird das
nördliche Hallenschiff der alten Lokhalle als Kesselschmiede eingerichtet. In den
Jahren 1925/26 werden zunächst 10 Schnellzuglokomotiven der Baureihen 01 und 02,
sowie 10 Güterzuglokomotiven der Baureihen 43 und 44 in Dienst gestellt,
und dem RAW Meiningen zur Instandhaltung zugewiesen. Das RAW Meiningen ist von nun an für die nächsten Jahrzehnte für die Aufarbeitung der schweren Einheitslokomotivbaureihen zuständig. Bis zum Jahr 1927 werden auch Waggons in Meiningen aufgearbeitet, das Werk hat jetzt über 2000 Beschäftigte. Während des zweiten Weltkrieg werden die Baureihen 01, 01.10, 03, 39, 43, 44, 52 (ab 1942), 62, 95 und 99 instandgesetzt. Außerdem wurden Motoren für die Kriegsindustrie gefertigt, dennoch blieb das RAW von Bombardierungen und Reparationsleistungen verschont. Es konnte bereits am 23.April 1945 seine Arbeit wieder aufnehmen. Schon am 1.September 1945 wurde das Werk zum volkseigenen Betrieb erklärt. Nach dem 2. Weltkrieg gewinnt das RAW Meiningen für die Deutsche Reichsbahn zunehmend an Bedeutung. Am 01.Mai 1947 wurde bereits die 1000. nach dem Krieg instand gesetzte Dampflok dem Bereich Eisenbahntransport übergeben. Am 04.Mai 1951 gegen 15 Uhr kam es im RAW zu einem schweren Explosionsunglück. 11 Menschen wurden getötet, 30 verletzt, darunter viele schwer. Der Kessel einer unter Dampf stehenden Lokomotive wurde aus dem Rahmen herausgerissen, zerstörte das gesamte Dach des Anheizschuppens und wurde unter Druck bis zur Ernststraße geschleudert, wo er auf der Straße aufprallte und im Garten des Krankenhauses schließlich liegen blieb. In den 50`er Jahren sind es die BR 01, 39, 44, 58 sowie die Tenderloks der BR 60, 61, 62, 78 und 95. Auch Kolonnenloks der Sowjetunion und ehemalige Privatbahnloks wurden hier ausgebessert. Daneben wurden zwischen 1958 und 1965 Umbauten, sogenannte Rekonstruktionen, der BR 39, 03.10 und 01 ausgeführt, auf die noch näher eingegangen wird. Danach begann der Umbau auf Ölfeuerung: Neben Einzelstücken wie die 18 201, 18 314, 19 015 und 19 022, wurden 28 Lokomotiven der BR 01, 16 mal die 03.10, 94 Stück der BR 44 und von der BR 95 insgesamt 24 Loks umgerüstet. Zwischen 1958 und 1962 wurden 58 Loks der Reihe 39 umgebaut, sie erhielten neue geschweißte Kessel mit Verbrennungskammer, neue Führerhäuser, Witte-Bleche, Einheitstender ( 2'2'T34) und die neue Baureihenbezeichnung "22". Krönung der vielseitigen technischen Erfahrungen war 1960 der Umbau der BR 61 zur heutigen 18 201, der Stolz der ehemaligen DDR. Sie ist auch heute noch mit 175 km/h die schnellste funktionstüchtige Dampflokomotive der Welt. Es folgte Anfang der 70`er Jahre die Umsetzung von 51 gebrauchten Neubau-Kessel der BR 22. Diese hatte das RAW Meiningen in die BR 39 eingebaut, nun wurden sie auf die BR 03 umgesetzt. In dieser Zeit gehörte zum Unterhaltungsbestand die BR 03, 23.10, 41, 50.35, 52, 52.80, 65 und 86.10.
Bis Ende der 70´er Jahre wird das Produktionsprofil des Werkes von der Dampflokinstandhaltung geprägt. Mit dem Auslauf der Dampflok als Streckenlokomotive verändert sich auch stufenweise das Profil des Werkes. Ab dem Jahr 1981 wurden auch Güterwagen im Werk instand gesetzt. Ab 1984 wird erstmals in einem Reichsbahnausbesserungswerk eine Fertigungslinie für den Neubau von Triebfahrzeugen errichtet. Bis 1988 werden insgesamt 202 Dampfspeicherlokomotiven vom Typ FLC (feuerlosen C) gefertigt und den Anschlussbahnen der Industrie übergeben. Durch Investitionen in den Bereichen der Stahlbaufertigung und der mechanischen Bearbeitung wurde der Neubau weiter profiliert und ab 1987 wurden auch Lauf- und Triebdrehgestelle für elektrische Triebwagenzüge in Jahresserien gefertigt. Hauptuntersuchungen an DR-Dampfloks führte man bis zum März 1988 durch, auch der Bau der Dampfspeicherlokomotiven wurde abgeschlossen. Außerdem hat man Drehgestelle für die S- und U-Bahn Berlin (Ost) gefertigt, gelegentlich wurden auch Traditions- und Heizloks untersucht.
Das Werk Meiningen gelangt nach der Wende im Zuge der Fusion von DR und DB zur Deutschen Bahn AG. Seitdem setzt das Dampflokwerk Regel- und Schmalspurlokomotiven für die DB AG, Privatbahnen, Museumsbahnen und Eisenbahnvereine des In- und Auslands instand. Heute zählt das Dampflokwerk Meiningen zu den letzten Ausbesserungswerken in Europa, die Dampflokomotiven für Museumsbahnen untersuchen oder rekonstruieren können. In den Folgejahren erhöhte sich das Produktionsvolumen ständig. Einen Namen hat sich das RAW Meiningen gemacht, weil es die Renaissance der Dampflok in der DDR durch die Rekonstruktionslokomotive (fast neue rekonstruierte Dampfloks) maßgeblich mitgestaltet hat. Ziel war es den Wirkungsgrad der Maschinen und die Arbeitsbedingungen der Lokmannschaften zu verbessern. Zwischen 1993 und 1994 wurden 2 Hochleistungs- Bahnschneeschleudern vom Typ HB 1600 für die Deutsche Bahn AG gefertigt. Diese sind selbst fahrbar und räumen mit einer maximalen Geschwindigkeit von 120 km/h die ICE Strecken. Des weiteren wurden zwischen 1993 und 1996 1 Schneeschleuder HB 1200, 2 Schneeschleudern GKW 12 für Russland und 6 funkferngesteuerte Schneepflüge BA 850 für die DBAG gebaut. Seit 1998 setzt das Dampflokwerk Regel- und Schmalspurlokomotiven für die DBAG, Privatbahnen, Museumsbahnen und Eisenbahnvereine des In- und Auslands instand, modernisiert Schneepflüge und Schneeschleudern und baut Kessel für historische Dampflokomotiven aus ganz Europa. Auch die Aufarbeitung von historischen Reisezugwagen nimmt einen hohen Stellenwert in der heutigen Produktionspalette des Dampflokwerks ein. Mit der Instandsetzung von Diesellokomotivem der Baureihe V60 wurde seit 2003 ein neues Geschäftsfeld erschlossen. Die Lokomotiven erhalten eine Hauptuntersuchung nach §32 EBO und auf Kundenwunsch eine Remotorisierung auf Caterpillar-Motor.





Werksführungen
Jeden ersten und dritten Samstag im Monat um 10.00 Uhr werden Führungen durch das Werk angeboten. Eine Führung dauert ca. 1 1/2 Stunden. Anmeldungen sind nicht notwendig. Interessierte sind hierzu recht herzlich eingeladen.


Bei den Führungen sind unter anderem die Lokhalle mit den im Werk befindlichen Lokomotiven und Waggons, das Anheizhaus sowie die Kesselschmiede zu besichtigen.



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